Erzbischof Stefan Heße schreibt an die Gemeinden

Generalvikar Ansgar Thim ist kommisarischer Leiter des Erzbistums

Am Donnerstag, 18. März, hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Damit leitet jetzt Generalvikar Ansgar Thim kommissarisch das Erzbistum Hamburg. In der Leitung des Erzbistums wird er durch Alexander Becker, den Verwaltungsdirektor des Erzbistums, und Weihbischof Horst Eberlein unterstützt.

In einem Brief vom 19.03.2021 wendet sich der Erzbischof direkt an die Gemeinden des Erzbistums:

"Liebe Schwestern und Brüder,
am gestrigen Tage habe ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht angeboten. Sie werden die Berichterstattung über die Vorstellung des Gutachtens zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln, aus dem ich ja bekanntermaßen stamme, wahrgenommen haben. Mir ist es wichtig, dass Sie von mir persönlich erfahren, was mich dazu bewogen hat. Einiges habe ich dazu in meiner persönlichen Erklärung wenige Stunden nach Veröffentlichung des Gutachtens am Donnerstagnachmittag gesagt.
Wesentlich ist für mich, dass ich mich der Verantwortung für mein damaliges Handeln stelle. Jetzt, wo die Dinge endlich auf dem Tisch liegen, kann und will ich mich ihnen entschlossen und direkt stellen. Ich übernehme meine Verantwortung für damalige Fehler und das Versagen des Systems.
Ich habe in Köln vor allem als Personalreferent und Generalvikar Mitverantwortung getragen für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. In meine Amtszeit fielen – wie die Studie aus Köln darstellt – die größte Anzahl von aufzuarbeitenden Fällen. Ich habe viele Gespräche mit Betroffenen geführt, ihnen aufmerksam zuzuhören und sie zu verstehen versucht. Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt. Für mich war immer selbstverständlich, bei der Aufarbeitung im Rahmen der beiden Kölner Untersuchungen mitzuwirken.
Es bedrückt mich sehr, wenn durch mein Verhalten Betroffenen ein weiteres Mal Leid zugefügt worden ist. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die Fakten auf den Tisch kommen und dass wir für die Zukunft gerade auch aus den systemischen Unzulänglichkeiten weiter lernen. Aufklärung und Aufarbeitung sind das Gebot der Stunde. Das gilt nicht nur für Köln, sondern ist selbstverständlich auch eine bleibende Aufgabe für die gesamte Kirche und damit auch in unserem Erzbistum.
Am 14. März habe ich meinen fünften Weihetag als Bischof begangen. Ich habe in der letzten Zeit manches Mal über die vergangenen Jahre nachgedacht. Ich bin im Norden wirklich heimisch geworden und gerade die Zeit der Pandemie hat mir vor Augen geführt, wie lebenswichtig für mich der Glaube ist. Kirche in Beziehung, das ist für mich zu einem wesentlichen Bestandteil der Seelsorge geworden. Viele haben mir in den letzten Jahren großes Vertrauen entgegengebracht. Ich erlebe eine große Offenheit und Herzlichkeit. Dafür möchte ich Ihnen auch an einem Tag wie heute ausdrücklich danken.
Ich habe mich an Papst Franziskus gewandt und ihm meinen Verzicht auf das Amt des Hamburger Erzbischofs angeboten. Bis zu einer endgültigen Entscheidung habe ich darum gebeten, mich von meinen Leitungsaufgaben zurückziehen zu dürfen. Bis dahin wird Generalvikar Ansgar Thim vertretungsweise diese Aufgaben weiterführen. Weihbischof Horst Eberlein übernimmt die bischöflichen Aufgaben. Ich weiß sie bei ihnen in den guten Händen.
Meine Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich halte sie allerdings für die einzig angemessene und sinnvolle. Deswegen habe ich sie bewusst noch am Tag der Veröffentlichung des Gutachtens getroffen. Ich weiß heute nicht, wie mein Weg als Mensch, als Christ und als Seelsorger nun weitergehen wird. Ich habe keinen Plan B in der Tasche. Ich halte es allerdings nicht für einen Zufall, dass diese grundlegende Veränderung mit dem Fest des heiligen Josef zusammenfällt, das die Kirche am 19. März feiert. Papst Franziskus hat eigens ein ganzes Jahr zu Ehren des heiligen Josef ausgerufen. Auch Josef musste mit manchen Veränderungen und großen Herausforderungen zurechtkommen. Ihm ist es gelungen, dahinter Gottes Handschrift zu erkennen und mitzuwirken. Ich vermute, dass ein ähnlicher Weg auch vor mir liegt. Ich hoffe, dass ich die Kraft finde, diese neue Etappe auf meinem Lebens – und Glaubensweg zu gehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle diese Zeit mit Gottes Hilfe bewältigen werden.
Ich wünsche Ihnen noch eine gesegnete Passionszeit und in ein paar Wochen gnadenreiche Kar- und Ostertage. Im Gebet bin und bleibe ich Ihnen verbunden."

Inzwischen hat Papst Franziskus offiziell dem Erzbischof bis auf weiteres eine Auszeit gewährt.

(C.J.)


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