Bericht von Br. Olaf

Covid-19 in der Zentralafrikanischen Republik

Drei Monate galten in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie: Distanz halten, kein Händeschütteln, Schulen geschlossen, Bars und Kneipen geschlossen, keine öffentlichen Gottesdienste, keine großen Menschenansammlungen, deren Teilnehmerzahl die 15 übersteigt. Die Märkte und unzähligen Straßenläden blieben weiter geöffnet ... Wer schon einmal die Gelegenheit gehabt hat, ein Land in Subsahara-Afrika zu erleben, müsste sofort die Stirn runzeln uns sich sagen: "Wie soll das vor Ort funktionieren??" - Und das ist genau das, was die Menschen mir hier ständig sagen: "Bei euch in Europa mag das ja gehen, bei uns aber nicht!!"

 

Kirche in der Zwickmühle

Die katholische Kirche, der Verbund der evangelischen Kirchen und der muslimische Dachverband hatten sich Ende März mit dem Präsidenten des Landes darauf verständigt, keine öffentlichen Gottesdienste in Kirchen und Moscheen zu feiern. Bei uns in Mobaye, waren es allerdings nur die Katholiken, die sich an die Abmachungen hielten. Die Evangelikalen hier sind davon überzeugt, dass man in der Not erst recht viel, laut und in großen Massen beten müsse, nur so ließe sich der Virus fern halten. Die hiesigen Muslime meinen, dass ein Verbot öffentlicher Gebetsversammlungen eh nichts bringe: wenn Gott beschlossen hat, dass Du am Virus nicht stirbst, dann kannst Du Dich so oft Du willst in großen Menschenansammlungen treffen. So einfach ist das.

Als Katholiken standen wir mit unserer Option, der Regierung zu folgen, ziemlich schlecht da, auch und gerade bei unseren eigenen Leuten. Wir haben jeden Sonntag zwei Gottesdienste parallel gefeiert, den einen in der Kapelle der Schwestern, den anderen in der großen Kirche. Dabei haben wir versucht, die Teilnehmerzahl von 15 nicht zu überschreiten. Das hatte zur Folge, dass etliche Leute draußen vor der Kapelle der Schwestern hockten, und andere sich dann doch in unser großes Gotteshaus schlichen. Aber der Großteil blieb verärgert zu Hause oder ging zu den Evangelikalen, die eifrig weiterfeierten. Und im Viertel mussten sich unsere Leute anhören, wie kleingläubig Katholiken sind: Die kleinste Ankündigung einer Krankheit, und sie verriegeln die Kirchentüren ...

Politisches Handeln

Mitte Juni hat Präsident Touadéra eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum verordnet und dafür andere Schutzmaßnahmen gelockert. So sollen Gottesdienste mit Abstandsregeln wieder erlaubt sein und die Schulen langsam wieder öffnen.

Es entsteht der Eindruck, dass all dies vor allem politische Gründe hat, denn das Infektionsgeschehen der COVID-19-Pandemie ist in der ZAR an einem völlig anderen Punkt als in Europa. Die Infektionszahlen stiegen zunächst sehr langsam, aber inzwischen sind eine lokale Übertragung und ein exponentiellen Wachstum deutich zu verzeichnen. Und das, obwohl die Statisktiken mit sehr viel Vorsicht zu betrachten sind und garantiert nicht das ganze Ausmaß darstellen.

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst; insbesondere die Einschränkungen bei Beerdigungen und die gestiegenen Transportkosten führen zu Spannungen und erhöhen den Druck auf die Regierung. Ende des Jahres sollen Wahlen stattfinden und der Staatschef möchte seine Wiederwahl nicht gefährden.

Allerdings muss man auch zu Recht an der Wirksamkeit der Maßnahmen zweifeln. Sie betreffen nur einen Teil des öffentlichen Lebens und eine völlige Ausgangssperre ist in solch einem Kontext undenkbar. Die Menschen müssen ihren Tätigkeiten nachgehen, um zu überleben. Vielleicht ist sie auch nicht notwendig, weil die junge Bevölkerung gar nicht so schwere Krankheitsverläufe zeigen wird. Fallverfolgung und Behandlung sind kaum möglich. Das Gesundheitssystem der ZAR ist eines der schwächsten weltweit.

Hinzu kommt dass die Regierung wenig Vertrauen genießt und schlecht kommuniziert, so dass Fake-News, Gerüchte und Verschwörungstheorien sehr stark verbreitet werden. Viele Bürger*innen glauben nicht an die Existenz des Virus oder an dessen Gefährlichkeit. Die Abstandsregeln werden nur von Wenigen eingehalten.

Was bedeutet die Pandemie für die Menschen in der ZAR?

Schwer zu sagen. COVID-19 ist nur ein Faktor unter vielen. Den bisher offiziellen 19 Corona-Toten in der ZAR stehen geschätzte 3-5.000 Malariatote jährlich gegenüber. Eine Krankheit, die sich vergleichsweise leicht und gut behandeln läßt. Die Sicherheitslage ist trotz der Präsenz von knapp 13.000 Blauhelmen weiterhin sehr fragil, die Regierung schwach, die sozio-ökonomische Situation desaströs. Eine düstere Perspektive. Auch ohne COVID-19.

Hoffnungszeichen? Sie sind schwer auszumachen ... aber es gibt sie. Hoffnung, dass Gesellchaften wie die zentralafrikanische weniger hart von Corona getroffen werden, wie unsere europäischen. Überlebenswille von Menschen,die kollektive Krisen gewohnt sind. Menschen, die im Glauben und ihren Werten stark bleiben und solidarisch handeln. Kardinal Nzapalainga (selbst Spiritaner), der in diesen Wochen all seine Pfarreien besucht und die Katholiken aufklärt und ermutigt.

Olaf und Annette


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